So, 26. August 2018, 14 Uhr – Henry Dunant und die Friedensfrauen

So, 26. August 2018, 14 Uhr – Henry Dunant und die Friedensfrauen

Öffentlicher Vortrag mit Heidi Witzig, Historikerin

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts organisierten sich Männer und Frauen für zwei verschiedene Anliegen, welche die Friedensbewegungen prägten: einerseits das Engagement bei der Betreuung verwundeter Soldaten auf dem Schlachtfeld, und andererseits das Engagement für gewaltfreie Konfliktlösungen.

Henry Dunant (1828-1910) war ein Pionier der erstgenannten Strömung; geprägt durch die grausamen Szenen verwundeter und sterbender Soldaten nach der Schlacht von Solferino, setzte er sich mit gleichgesinnten Männern aus Genf, später international, für die Pflege verwundeter Soldaten beider Parteien ein. Das Rote Kreuz, gegründet 1863 als „Internationales Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege, hiess seit 1876 Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), das heute noch besteht. Dunant propagierte in der Folge unermüdlich bei den damaligen Herrschern Europas mit Hilfe seines Buches „Eine Erinnerung an Solferino“ die Ideale des IKRK. Interne Zwistigkeiten in der Organisation bewirkten, dass er sich jahrzehntelang zurückzog und erst am Ende seines Lebens wieder die ihm gebührende Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erhielt. Der Friedensnobelpreis 1901 war die Krönung dieser öffentlichen Würdigungen. Die prominenteste Frau dieser Richtung war die 1820 geborene Engländerin Florence Nightingale, welche die Krankenpflege als anerkannten Berufsweg für Frauen etablierte. Aber auch die 1854 geborene Appenzellerin Catharina Sturzenegger weilte als unermüdliche Propagandistin des Roten Kreuzes in Kriegsgebieten und schuf sich als „Abgesandte Dunants“ einen Namen.

Die Friedensfrauenbewegung hatte ihre Wurzeln in den ebenfalls anfangs des 19. Jahrhunderts entstandenen Friedensbewegungen in den USA und in England. Es waren ursprünglich mehrheitlich Männer, die Welt-Friedenskongresse durchführten; von ihnen spaltete sich 1867 die Internationale Liga für Frieden und Freiheit ab, die sich auch für die republikanische Staatsform einsetzte. Zu einer der ersten Frauen, die sich prinzipiell gegen kriegerische Gewalt aussprachen, gehörte Bertha von Suttner. Ihr 1889 erschienener pazifistischer Roman „Die Waffen nieder!“ wurde ein internationaler Bestseller. Sie wurde 1891 Vizepräsidentin des Internationalen Weltfriedensbüros mit Sitz in Bern. Der 1. Weltkrieg mobilisierte die Frauenfriedensbewegung enorm. Die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF) versuchte international bürgerliche und sozialistische Pazifistinnen zusammenzubringen. Die Schweiz spielte als neutrales Land eine wichtige Rolle. Clara Ragaz-Nadig, die Ehefrau des Religiös-Sozialisten Leonhard Ragaz, wurde Präsidentin der Schweizer Sektion und spielte bei der Kommunikation zwischen den Frauen feindlicher Länder eine tragende Rolle. In die Zeit vor dem 2. Weltkrieg gehört auch das Engagement bekannter Frauen aus dem Kanton St. Gallen. Aus diesem Netzwerk sei Hedwig Scherrer erwähnt, Tochter eines demokratischen Regierungs- und Nationalrats. Sie illustrierte 1934 eine Wanderausstellung der Frauenliga für Frieden und Freiheit mit Bildern zum Thema „Krieg oder Frieden?“. Sie malte auch grossformatige Plakate mit radikalen Aussagen gegen den Krieg und apokalyptischen Bildmotiven, die auch als Postkarten weit verbreitet wurden.